Meine Erfahrungen in The Gambia

Prolog
Unendliche Möglichkeiten! – Nach 10 Semestern eines oftmals anstrengenden, doch gleichzeitig erfahrungsreichen und lohnenswerten Studiums der Erneuerbaren Energien (Bachelor an der HSWT in Freising, Master an der HTW Berlin), muss eine Entscheidung getroffen werden: In welcher Art und Weise werde ich, Rebekka, 26 Jahre alt, mein Studienleben beenden? Die Masterthesis – das letzte Projekt, bevor eine „vollständige Eingliederung in die arbeitende Gesellschaft“ von Statten geht, kann schließlich als Türöffner in die freie Wirtschaft oder die Forschung und Entwicklung agieren: Im besten Fall sollte man mit ihr bestehendes Wissen und eigene Interessen vertiefen, sowie eine Basis für die Zukunft schaffen können. 
Da ich generell neue Herausforderungen nicht scheue, beendete ich mit Abschluss der letzten Vorlesungskurse meine Werkstudentenstelle und machte mich auf die Suche nach einer spannenden, abwechslungsreichen, neuen Aufgabe. Durch einen wertgeschätzten Professor unseres Studiengangs, wurde ich auf das Projekt, welches Daniel und Jannik in The Gambia durchführten, aufmerksam. Nach einem Besuch an der Kuckucksmühle hatte ich das Vergnügen, den Verein Energie Dezent e.V. näher kennen lernen zu dürfen und konnte mich am Ende meines dortigen Aufenthalts über eine zukünftige Zusammenarbeit erfreuen.

Dank Energie Dezent e.V., der Firma ECC und den Professoren, die mir die Umsetzung des anstehenden Projekts anvertrauten, wurde es mir ermöglicht, eine 3 ½ wöchige Reise nach The Gambia zu unternehmen, um dort, mithilfe netter KollegInnen und freundlicher Unterstützung weiterer Akteure, eine Studie über ein innovatives Energiekonzept des Banjul International Airports in The Gambia zu erstellen. Im Rahmen dieses Blogs möchte ich interessierte Leser und Leserinnen von meinen persönlichen Erfahrungen sowie dem Fortschritt des Projektes berichten.

Das Projekt
Da die Konkretisierung des Themas der Masterarbeit und des Projektinhaltes im Allgemeinen relativ kurzfristig vor Beginn der Reise stattfand, konnte ich relativ wenige Vorbereitungen bezüglich Recherche treffen. Glücklicherweise befand sich einige Kollegen, darunter Jannik, welcher nach Beendigung seiner Masterarbeit weiterhin die Umsetzung seines Projekts in The Gambia voranbringt, bereits vor Ort und konnten erste Schritte zur Umsetzung der anstehenden Arbeit einleiten.

Mit fortschreitender Zeit hat sich folgende Zielstellung herauskristallisiert: Ziel des Projektes ist es, ein Konzept zur ganzjährigen elektrischen Versorgung des Flughafens Banjul International Airport inklusive Energieeffizienzmaßnahmen unter Gewährleistung der Versorgungssicherheit zu erstellen, welches einen möglichst hohen Anteil erneuerbarer Energien aufweist.

Die Anreise
Durch einen früheren Aufenthalt in Kenia, gelegen an der Ostküste Afrikas, hatte ich bereits Erfahrungen über das Leben in einer tropischen Klimazone gesammelt, wodurch mir deutlich leichter fiel, vor Anreise über Packlisten, mitzunehmende Medikamente,einzuholende Impfungen oder vor einem oftmals propagierten „Kulturschock“ nicht in Panik zu geraten. Durch eine Vorverlegung des Abflugtermins um fünf Tage wurde mir trotz allem nicht langweilig und ein straffer Zeitplan, um letzte Erledigungen zu machen, musste eingehalten werden.

Um 04:45 Uhr verließ ich also mit Reiserucksack und Messgerät aufbepackt (zur Aufnahme notwendiger Daten) meine Wohnung in Berlin. Nach langer Bahnfahrt quer durch das frühherbstliche Deutschland nach Frankfurt am Main, hob der Flieger am dortigen Flughafen mit einer dreistündigen Verspätung dann endlich ab. Mit gemischten Gefühlen (Vorfreude & gleichzeitigem Respekt vor den anstehenden Aufgaben) erwartete ich nach 6 -stündigem Flug die Ankunft am Banjul International Airport – mein Wirkungsfeld und Teilzeit-Arbeitsplatz für die anstehenden 3 ½ Wochen. Nach Verlassen der kühlen Flugzeugkabine und in Gedanken versunken, wurde ich von der enormen Hitze in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit – diese Temperaturen mitten in der Nacht! – regelrecht in die Realität zurückkatapultiert. Ich bin also wirklich angekommen, weit entfernt der Heimat, auf einem anderen Flecken der Erde, in The Gambia.

Die ersten Tage

Untergebracht bin ich im Guesthouse, welches mein Chef betreibt, fußläufig zum Bürogebäude, in welchem wir von Montag bis Freitag unseren Tag verbringen. Dadurch, dass die Tourismus-Saison erst in ein paar Wochen beginnt, genieße ich die in meiner Wohnung herrschende Ruhe, das Vogelgezwitscher und erfreue mich tagtäglich an dem im Komplex befindlichen Garten.
Würden Sie sich an diesem Blick aus meiner Glastür sattsehen können?

Um einen Eindruck meiner Umgebung zu erhalten, streife ich durch die Gegend. Dadurch, dass ich noch keinen Internetzugang auf meinem Handy hab, kein Gefühl für Sicherheit sowie keinerlei Orientierung, halte ich meine Ausflüge kurz. Wohl anscheinend nicht zu kurz, da ich mir bei meinem ersten Spaziergang direkt einen Sonnenbrand eingeholt habe. Meine Nachbarn grüßen mich alle recht freundlich, das erste Bild meiner Region scheint sehr positiv.

Nach ein paar Tagen bin ich mir sozusagen „meiner Sicherheit sicher“ – The Gambia wird nicht ohne Grund als The smiling coast of West Africa bezeichnet. Die Kriminalitätsrate ist gering, auch zwischen Anhängern unterschiedlicher Religionen scheint es Konflikte, wie in anderen Teilen der Welt oftmals vorhanden, nicht zu geben: In Gambia leben Muslime und Christen in Frieden zusammen.

Meine Nachbarn Latif, Abdullah, Ibrahim & Bekannte beim gemeinsamen Tee-Trinken (eingeholte Erlaubnis zur Publikation)

Nach täglichem Grüßen, folge ich der Einladung meiner Nachbarn und setze mich nach getaner Arbeit zum gemeinsamen, traditionellen, abendlichen Grüntee-Trinken an die Straße. Da ich nur bedingt Zugang zum Internet habe, bin ich froh, neben meinen Büchern, abends sozialen Austausch zu haben. Es wird über ehemalige Auslandsaufenthalte gesprochen, unterschiedliche Lebensweisen diskutiert und viel herumgealbert, ofmals auch in Wolof (eine der vielen Sprachen, die in The Gambia gesprochen wird), dann schau ich zwar blöd aus der Wäsche, aber das ist schon okay. Da zu Anbruch der Dunkelheit gebetet wird, bin kurz nach Sonnenuntergang – spätestens gegen 20:00 Uhr, zu Hause.
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Der Flughafen Banjul International Airport und erste Projekterfolge

Das neue Terminalgebäude des BIA

Nach einer Woche des Kennenlernens verschiedenster Projektpartner und Akteure der Politik und Verwaltung, durfte ich dem Flughafen endlich einen Besuch abstatten. Sobald der Security-Check überstanden war, hatte ich Einblick in das „Power House“, der zentralen Einrichtung, in welcher sowohl die Hauptleitung der Energieversorgung des gesamten Flughafenkomplexes vom Energieversorger eingeht als auch die Verteilung der Teilstränge in die verschiedenen Gebäude stattfindet und die Notstromaggregate in Bereitschaft stehen. Ziemlich spannend und aufregend, schließlich wird der Strom zum Transformator noch auf Mittelspannung geliefert! Mit Bedacht folge ich dem Ingenieur des Flughafens durch die Halle und bemühe mich, nichts zu berühren (v. A. keine Knöpfe oder Schalter!). Letztlich möchte ich nicht für ein versehentliches Lahmlegen eines Flughafens zu Berühmtheit gelangen. Spaß beiseite, das ist natürlich relativ unwahrscheinlich.

Bei erster Inspektion der Teilstränge erhielt ich dann den ersten „Dämpfer“ – das Messgerät, mit welchem ich die abgehenden Energieflüsse, vorliegende Spannung und Leistung aufnehmen wollte, ist für die vorliegenden, hohen Ströme nicht konzipiert worden und kann entsprechend nicht eingesetzt werden.  Wie gelange ich nun an meine Daten? Schnell mussten Alternativen gefunden werden!
Glücklicherweise wurden zwei Messgeräte am Hauptschaltschrank installiert, welche die vom Flughafen verbrauchte Energie und Momentanleistung in Echtzeit anzeigen. Unglücklicherweise zeigen dagegen beide Messgerät-Displays verschiedene Daten an, sodass zum genannten Zeitpunkt keine Aussage über die Richtigkeit der Informationen getroffen werden konnte. Je dichter und konsistenter die Daten vorliegen, desto einfacher kann natürlich eine Auswertung dieser sowie die Erstellung des Energiekonzepts erfolgen: Gerade eine digitale Abnahme der Daten würde optimale Voraussetzung für genaue und schlüssige Ergebnisse liefern. Unter Erwerb von Zusatzmodulen, welche an das Messdisplay angebracht werden hätten können, wäre dies möglich gewesen – die nötigen Module waren in The Gambia nur leider nicht zu kaufen.

Gemeinsames Mittagessen mit den Angestellten des Flughafens

Als einzige Möglichkeit, an aktuelle Daten zu kommen, blieb also eine manuelle Aufnahme. Dann existiert jedoch noch immer das Problem, zu überprüfen, ob die angezeigten Werte auf beiden Displays korrekte Sachverhalte wiedergeben. Etwas frustriert nahm ich also analog auf, das bedeutet: Alle zwei Minuten ein Foto, bestenfalls von beiden Bildschirmen machen, um deren Werte im Anschluss abzutippen und zu digitalisieren. Da stand ich nun, mehrere Tage am Stück, vor diesen Displays in der Hitze. Einziger Trost waren die vielen Mitarbeiter des Flughafens, die mir ab und zu Gesellschaft leisteten und mir den Tag durch unterhaltsame Gespräche versüßten.

Erschwerte Bedingungen
Neben der aufwändigen Datenaufnahme kommt zur Energiekonzepterstellung erschwerend hinzu, dass sich der Flughafen seit 2015 im Umbau befinde. Sobald der Umbau des neuen Terminals im Jahr 2020 fertig gestellt ist, wird sich der Energieverbrauch des Flughafens natürlich stark verändern. Soll ein Konzept zur Deckung des Gesamtbedarfs an Elektrizität erfolgen, müssen die zusätzlichen Verbräuche abgeschätzt und zusätzlich eingeplant werden. Eine Konzepterstellung mit klaren, eindeutigen Energieverbräuchen wäre ja schließlich zu langweilig..  

Launch of REFELA
Neben der Zeit, die ich am Flughafengelände verbracht habe, gab es viele weitere Aktivitäten, über die berichtet werden kann: Wegen Teilnahme eines Meetings mit meinen Kollegen, wurde ich zu einer Veranstaltung, unterstützt von UNDP (United Nations Development Programme), zur Einführung von REFELA; einem Netzwerk für Frauen in der Politik in Afrika (The Network of Locally Elected Women in Africa) zur Förderung von Gleichberechtigung und der Einhaltung der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen eingeladen. Ich fühle mich geehrt, an der Veranstaltung teilnehmen zu dürfen und mache mich alleine auf den Weg in die Hauptstadt Banjul. Natürlich bin ich aus Höflichkeit überpünktlich. Mit Spannung erwartete ich das Eintreffen der Bürgermeisterin von Banjul, Mrs. Rohey Lowe sowie interessante Vorträge. Leider verzögerte sich aus mir unbekannten Gründen der Veranstaltungsstart um 2 ½ Stunden.

Ankunft der Bürgermeisterin unter Securityschutz

Unter Security-Schutz, musikalischer Untermalung durch eine Militärkapelle sowie Dudelsack-Spielern wurde die Bürgermeisterin schließlich in die Halle geführt. Die Sicherheits-vorkehrungen waren dabei durchaus berechtigt, da Frau Lowe von den über 300 anwesenden Frauen wie ein Star gefeiert wurde.  Auch wenn einige der Reden in Wolof oder Mandinka, zwei der am meist gesprochenen lokalen Sprachen in The Gambia – und für mich unverständlich, gehalten wurde, war es trotzdem eine interessante Erfahrung, Teil der Veranstaltung gewesen zu sein. Schon das Erlebnis, als einzige Weise die „Minderheit“ abzubilden und als Gegenstand einiger Gespräche (Was macht wohl die Weiße („Toubab“) hier?) zu sein, war ein Novum.

Zeiten der Entspannung
Nach ereignisreichen Tagen sind natürlich auch Momente des Innehaltens und Erholens notwendig. Da sich die Küste in ca. 30 Minuten Entfernung von meiner Unterkunft befindet, unternahm ich dorthin ab und zu einen Fußmarsch. Der wunderschöne Strand, das beruhigende Geräusch der Wellen und der Abstecher ins Meer ließen die Anreise dabei schnell in Vergessenheit geraten.


Projekt in Afrika

  Prolog

Afrika, Afrika. Ein Kontinent über den wir bisher nur wenig wussten. Als erstes kommen uns exotische Tiere, viele Farben und vielfältige Natur, aber auch eine hohe Armut in denn Sinn.  Für uns ist es das erste Mal, dass wir in so engen Kontakt mit diesem Kontinent kommen.

Aber erstmal zu uns, wir also Jannik T. und Daniel M. sind zwei Studenten, die derzeit in Berlin wohnen und dort an einer Hochschule studieren. Wir beide studieren „regenerative Energie“, ich würde sagen aus Überzeugung. Beide haben schon ein Studium in diese Richtung abgeschlossen und wir wollen gerade unser Masterstudium beenden. Die Abschlussarbeit wollten wir zusammen über ein Projekt schreiben und den Weg zum Ziel als Blog festhalten. Dieser Blog soll mit Berichten, Fotos und Videos den Verlauf des Projektes dokumentieren und interessierte Leser informieren. Nach unserer Abschlussarbeit wollen wir das Projekt weiter voranbringen und fördern. Wir freuen uns dabei selbstverständlich über jeden Leser und Leserin und vielleicht auch baldige Unterstützer.


Das Projekt

Zuerst einmal erklären wir einmal um was es geht. Wie man sich denken konnte, wollen wir etwas in Richtung regenerative Energien in Afrika machen. Genauer The Gambia, das kleinste Land in Afrika. Macht euch keine Sorgen falls ihr nicht wisst wo das liegen soll. Das wussten wir anfangs auch nicht.

Auslöser der Idee zu diesem Projekt war die, in der Geber-Konferenz der EU im Mai beschlossene finanzielle Unterstützung von The Gambia beim Aufbau und der Entwicklung des Landes.

The Gambia liegt an der Küste West-Afrikas und ist bis auf den 80 km langen Küstenstreifen ringsherum vom Senegal umschlossen. Es leben hier etwa 2.000.000 Menschen auf einer Fläche von ungefähr der Größe Hessens. Ca. die Hälfte der gambischen Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze, was bedeutet, dass sie weniger als 1,25 US$ am Tag zu Verfügung haben. Damit zählt The Gambia zu einem der ärmsten Länder der Welt.

Diese Verhältnisse führen dazu, dass die Flüchtlingsrate gemessen an der Einwohnerzahl extrem hoch ist. Von zehntausenden Gambiern, die jedes Jahr nach Europa fliehen, bekommt seit der Demokratisierung 2017 nur etwa jeder 50te den Asylantrag genehmigt.

Das ist erstmal hart, da jeder schon einmal im Fernsehen oder Internet Menschen auf Schlauchbooten das Mittelmehr überqueren sehen hat. Diese Menschen nehmen vieles auf sich, um ihrer Armut zu entfliehen.

Um The Gambia beim Aufbau des Landes nach der 20 Jahre andauernden Diktatur zu unterstützen, hat die EU finanzielle Mittel für Projekte in den Bereichen Regierung, Infrastrukturen, Landwirtschaft, Bildung, Medizin und Tourismus bewilligt. Es soll den Menschen dort besser gehen, aber sicher auch diese Menschen zum Bleiben bewegen. Wir wollen etwas tun, was nachhaltig die Lebensbedingungen der Menschen verbessern kann und Perspektiven für die Zukunft bietet.

Bei unserem Projekt geht es darum Entwicklungshilfe getreu dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ in den Bereichen elektrische Infrastruktur und Bildung zu leisten und so The Gambia beim Ausbau einer zuverlässigen und nachhaltigen Stromversorgung zu unterstützen. 40 % der Einwohner Gambias haben bis heute keinen Zugang zu Elektrizität. Dies ist zum einen durch fehlende Netzinfrastruktur, vor allem aber durch die Abhängigkeit zu Öl- und Dieselimporten, die den Strompreis extrem nach oben treiben, geschuldet. Die Folge ist, dass auch der wirtschaftliche Fortschritt besonders in den entlegenen Regionen stark ausgebremst wird. Ohne Elektrizität kann keine Produktion erfolgen, ohne Produktion keine Wirtschaft und ohne Wirtschaft keine Arbeitsplätze.

Was können nun zwei Studenten aus Berlin tun, um produktiv dort in Westafrika etwas zu verändern. Alleine ohne Hilfe und Mittel erstmal gar nichts. Wir gehen auf Partnersuche und finden einen Professor, der uns unterstützen will. Die Zusammenarbeit läuft gut und es entstehen erste Pläne. Also die Hochschule im Boot, jetzt noch jemand der uns hilft alles zu organisieren. Eine international tätige Firma „ECC GmbH“ tritt auf uns zu und unterstützt uns in dem Vorhaben. Sie haben Erfahrungen im Ausland, können Kontakte knüpfen. Jetzt fehlen uns nur noch die Mittel, die es uns ermöglichen das Vorhaben durchführen zu können. Wir stellen uns bei einem Verein vor. Dieser Verein „Energie Dezent e.V.“ erlaubt es uns, unsere Ideen einmal vor den ganzen Vereinsmitgliedern vorzustellen. Sie haben schon andere regenerativen Projekte gefördert und finden es wichtig, wenn junge Menschen in diesem Bereichen tätig werden. Sie wollen uns fördern. So, vorerst alle wichtigen Partner gefunden, nun an das Konzept.


Das Projekt in The Gambia besteht aus zwei Teilen:

  1. Implementierung eines Studiengangs Regenerative Energien an einer Universität
  2. Aufbau eines Forschungszentrums für Regenerative Energien in Gambia.

Im ersten Teil, der Implementierung des Studiengangs geht es darum, dass unsere Hochschule und die „The University of The Gambia (UTG)“ eine Kooperation bilden und gemeinsam ein Kurrikulum für einen Studiengang erneuerbare Energien zu entwickeln.

In diesem Studium soll technisches Fachpersonal ausgebildet werden, dass dann den Stromsektor in The Gambia ausbauen und betreiben kann. Der Vorteil: Es wird die Jugend zu kommenden Ingenieuren für regenerative Energie herangezogen.

Der zweite Teil des Projektes ist eng mit dem geplanten Studiengang verstrickt. Es soll ein Forschungszentrum für erneuerbare Energien entwickelt werden, in dem die Inhalte des Studiums aufgegriffen und durch praktische Anwendung vertieft werden sollen. Gleichzeitig bietet das Forschungszentrum die Chance erneuerbare Energien unter West-Afrikanischen Bedingungen und Anforderungen zu testen und zu erforschen. So kann z.B. der Wechsel von kaum funktionierenden uralten, konventionellen Kraftwerken zu regenerativen Energiesystemen oder die Elektrifizierung von abgeschiedener Dörfern zu einem Fokus werden, der neben anderen wichtigen Themen verstärkt untersucht wird. Des Weiteren soll das Forschungszentrum als Showroom dienen, wo interessierte Bürger mehr über regenerative Energien lernen können und Anwendungen, die für ihre Region in Frage kommen könnten vorgestellt bekommen. Dabei geht es natürlich nicht um eine Verkaufs- sondern vielmehr um eine Aufklärungsplattform. Die Vorteile sind eigentlich jedem klar. Ich sage nur Klimaziele. Auch Deutschland profitiert von einer Zusammenarbeit. Wir haben viel Know-how in dieser Richtung, können aber bisher nur unter europäischen Bedingungen forschen.

Die Konzeptionierung des Forschungszentrums ist in erster Linie Aufgabe unserer Masterarbeit. Dabei ist der wichtigste Punkt zunächst zu evaluieren welche technischen Anwendungen zu den westafrikanischen speziell gambischen Bedingungen und den Bedürfnissen der Bevölkerung passen, und welche den entsprechenden Lern- und Forschungseffekt für die Studenten liefern.


Erste Schritte

Wir wollen Daten sammeln und uns ein Bild über das Land machen. Ehrlich gesagt, jeder kann viel im Internet lesen und telefonieren, jedoch wirklich schlauer wird man nicht unbedingt. Wie ticken die Menschen? Was genau machen die dort eigentlich um zu überleben und wie sieht es dort überhaupt aus? Es benötigt Felderfahrung.

Unser Partner ECC GmbH sponsert uns einen Flug und organisiert dort eine Bleibe. Koffer gepackt, Freundinnen verabschiedet, Flüge gebucht und es geht schon am 7.2.19 auf nach The Gambia. Dort werden wir uns für einen Monat aufhalten, um das Land kennenzulernen und unsere Fragen zu beantworten. Wir fahren mit der Erwartung eine tolle Erfahrung zu machen, viele neue Kontakte zu knüpfen und wichtige Erkenntnisse zu erlangen, die uns im Laufe des Projektes bei unseren Entscheidungen ausschlaggebend weisen.


Der Beginn

3.30 Uhr der Wecker schreckt uns hoch. Wir müssen zum Flughafen in Berlin, unser erster Flieger geht um 6.50 nach Brüssel. Es ist noch dunkel und die Stadt ist leer, keiner in der U-Bahn, keiner im Bus. Der Flughafen ist belebt, da der Betrieb schon los gegangen ist. Beim Check-in am Terminal A07 sammeln sich allmählich die ersten Afrikaner und Urlauber. Alles läuft problemlos und wir haben noch Zeit einen kleinen Kaffee zu trinken und etwas zu essen. Wir steigen in den Flieger und langsam werden wir gespannt was uns erwartet. Die Sonne geht langsam auf und der Flieger startet.

Wir haben bemerkt das ein Mann in den Flieger begleitet worden ist und dieser in die letzte Reihe gesetzt wird. Wir dachten es ist ein Diplomat der eine Auslandsreise geplant hat. Doch die schreie um Hilfe, die von diesem Mann ausgehen, als der Flieger startete, holen uns schnell in die schockierende Realität. Es muss sich um eine Abschiebung handeln, da die begleiten Männer ihn in den Sitz drücken und ihn festhalten. Er wehrt sich. In akzentfreiem Deutsch versucht er seine Begleiter von dem Vorhaben abzubringen. Wir wollen es nicht bewerten, jedoch ist uns die Erfahrung sehr nahegetreten. Es kommen Fragen auf und wir können kein Auge zumachen.

Brüssel. Erste Etappe geschaft. Es ist später Morgen und die Menschen steigen, alle etwas geschafft von dem ersten unruhigen Flug, aus dem Flieger. Wir haben vier Stunden Aufenthalt und schauen uns die Flughafen-Geschäfte an. Der nächste Flieger steht bereit und die Zahl der weißen Passagiere werden weniger. Platz suchen und Gepäck im Flieger verstauen. Wir fangen an aufzufallen und wecken das Interesse der anderen. Alle sind freundlich zu uns und kommen mit uns ins Gespräch.

Der Ausblick aus 10000 Meter Höhe auf die Straße von Gibraltar und die Sahra beeindrucken uns. Wüste, unter uns nur Wüste. Gefühlte unendliche Stunden vergehen, bis wir den sechs stündigen Flug gemeistert haben. Die Filme und Serien an Board der Maschine machen es erträglicher. Es ist kalt im Flieger und wir ziehen Jacken an. Wir sind zudem müde, können aber nicht richtig schlafen. Kaum wird die Landschaft unter uns grüner, sind wir auch schon fast da. Palmen und roter Sand begrüßen uns, als wir landen. Wir sind gespannt. Die einheimischen Passagiere lachen uns an und wünschen uns einen schönen Aufenthalt. Sie freuen sich mit uns, als wir die Treppe aus dem Flieger hinuntersteigen und staunen. Der Flughafen, wie aus einer anderen Welt. Klein, staubig und kaum Betrieb. Es landen wohl am Tag nur bvis zu drei Flieger aus der ganzen Welt. Bei der abschließenden Passkontrolle in der improvisierten Empfangshalle wird uns die gambische Bürokratie deutlich. Es gibt es kleine Probleme mit der Dauer des Aufenthalts bei Jannik. Das Visum muss im Laufe des Aufenthaltes um einen Tag verlängert werden. Bei Daniel hingegen scheint es damit keine Probleme zu geben und es gibt keine Diskussion über die Aufenthaltsdauer. Selber Pass, selber Aufenthalt! Alles kein weiteres Problem und es lässt sich schnell eine Lösung aushandeln. Wir schnappen unser Gepäck und verlassen den Flughafen. Es warten viele Einheimische auf die Touristen, um sich mit Dienstleistungen etwas dazu zu verdienen. Wir werden abgeholt und mit einem für unsere Verhältnisse zweckmäßigen Auto zu unserer Unterkunft gebracht. Der Weg dort hin, von unserer Rückbank, absolutes Abenteuer.

Das Kontroverse, wie Armut und Reichtum aufeinandertreffen. Es herrscht eine bunte Mischung aus zerstörte Autowracks, daneben die neusten deutschen Autos, sowie große Villen neben Blechhütten.


Endlich angekommen. Die Unterkunft ist schön und ruhig. Die Zimmer sind sauber und geräumig. Die gemeinsame Terrasse liegt in einem grünen Garten. Wir lernen in unserer Nachbarschaft ein paar Menschen kennen, haben jedoch anfangs ein bisschen Probleme mit ihren Namen. Jedoch sind sie für unsere neuen Freunde auch nicht einfach. Die Vögel singen im Garten und hüpfen von Palme zu Palme. Langsam geht die Sonne unter. Der erste Tag ist geschafft und wir gehen müde ins Bett. Afrika, Afrika du beeindruckst uns.


Die ersten Tage

Wir entdecken die Gegend oder eher die nahe Umgebung. Wir haben uns alles anders vorgestellt. Alles ist fremd. Es wird Mittag und die Sonne scheint gnadenlos von oben auf uns nieder. Die Leute sind sehr nett und reden gerne mit uns. Man unterhält sich hier ungezwungen über das Wetter oder über den Verlauf der vergangenen Nacht und des Morgens. Man fühlt sich überall sicher und herzlich willkommen. Wir bemerken, dass das Essen größtenteils aus dem Ausland importiert ist. Einhergehend ist es auch teuer und fast auf einem preislichen Level mit Europa. Es ist hier in unserem Viertel ein Luxusartikel Instantkaffee (4 €) oder Tiefkühlpizza (6 €) zu besitzen und zu verköstigen. Wir versuchen nur lokale Produkte und Erzeugnisse zu kaufen, um nicht unser ganzes Geld für den Supermarkt auszugeben. Obst auf dem Markt und Brot, Eier und Wasser an so einer Art Kiosk mit Gittern statt Fenster.

Wir fangen an den African-Vibe zu verstehen und lassen uns mit der guten Stimmung tragen. Smiling-Coast eben. Alles ist hier unkompliziert und einfacher als bei uns zuhause. Das erste Wochenende nehmen wir uns, um uns alles anzusehen und eine Orientierung zu bekommen. Anfangs nicht einfach, jedoch versteht man irgendwann welche nicht geteerte Straße wieder zu einer geteerten größeren Straße führt. Wir wollen den Strand sehen und laufen in dessen Richtung. Wir werden überrascht von einer Gruppe Menschen, die auf den Straßen sind und dort Krawall machen. Sie haben eine Art Kostüm an und haben Macheten und schlagen diese auf den Boden. Es knallt laut. Sie kommen auf uns zu und es stellt sich ein mulmiges Gefühl bei uns ein. Wir bleiben stehen.

Die Angst verfliegt, als sie uns nur erschrecken wollen und eigentlich Geld sammeln für die Beschneidung eines Jungen, der mit einem Tuch bedeckt auch in der Gruppe mitläuft. Er ist heute in ihrer Kultur zum Mann geworden und es ist Tradition, dass auf diese Art und Weise zu feiern und ein wenig Geld für ihn zu sammeln. Ok, Grenzerfahrung aber nächstes Mal sind wir schlauer. Wir glauben sie hatten auch ein bisschen Spaß uns zu erschrecken und wir lachen danach darüber.

Am weitläufigen Strand treffen wir plötzlich auf eine andere Seite von Gambia. Erst war der Strand leer, doch ein paar Kilometer weiter ändert sich das Bild. Viele alte, weiße Touristen in Hotelanlagen. Ok, OK nicht wie auf Mallorca, aber doch einfach ein paar Urlauber mehr. Es ist befremdlich, da man diese nicht wirklich im normalen Alltag zu sehen bekommt. Wir glauben sie verlassen ihr „sicheres“ Hotel nicht, da sie nicht wirklich an dem Land und den Leuten interessiert sind. Vorurteil? Wir sind uns nicht sicher.


Erste Erfolge

Das Wochenende ist zu Ende und wir starten mit unserer eigentlichen Arbeit. Zuerst ein Termin mit der Obrigkeit der University of The Gambia.  Es ist eine Akkreditierte und anerkannte Universität. Die Uni sieht ganz anders aus als unsere in Deutschland. Sie wollen mit uns zusammenarbeiten und freuen sich auf die Möglichkeit einer Partnerschaft mit unserer Uni. Sie zeigen uns ganz stolz ihr großes Solar System auf dem Dach. Es ist nicht angeschlossen und sehr verstaubt. Sie haben keine Batterien und Umrichter, nur die Module. Sie haben zudem niemanden der es vernünftig anschließt. Deshalb brauchen sie in Zukunft Ingenieure für erneuerbare Energiesysteme. Wir wollen zusammen ein Konzept entwerfen, dass bald ein Studiengang für diese Ingenieure entstehen kann. Dann ist The Gambia auch unabhängiger von Ausländischen Unternehmen.

Die Studenten im Allgemeinen sind uns sehr freundlich aufgeschlossen, behandeln uns aber mit sehr viel Respekt. Wir glauben, sie denken, wir sind Professoren. Kaum richtig mit der Arbeit begonnen, Stromausfall. Alle stellen das Arbeiten ein. Wir sehen nun wirklich das Problem. So ist es nicht möglich einen geregelten Arbeitsalltag zu führen. Daran muss sich etwas ändern.


Studentische Hilfe

Um uns zu unterstützen werden Studenten für uns abgestellt, die sich in unser Team integrieren sollen und helfen sollen das Projekt voranzubringen. Die Arbeitsgruppe mit den Studenten der UTG soll sich jetzt regelmäßig 1-2-Mal die Woche treffen. Anfangs wird es vor allem unsere Aufgabe sein, zu erklären worum es in dem Projekt geht und welche Informationen wir dafür benötigen. Es ist sehr schwer einzuschätzen, was wir den Studenten an Aufgaben auftragen können und auf welchem Niveau wir Ergebnisse erwarten können. Einen Studiengang Erneuerbare Energien gibt es ja bisher noch nicht, deswegen müssen wir uns zunächst klar darüber werden, wie viel Verständnis für das Thema bereits vorhanden ist. Die Studenten, die uns zugeteilt sind, kommen alle aus dem Bereich Physik und stehen alle kurz vor ihrem Bachelorabschluss.

Teamleitung gehörte bisher noch nicht zu unseren erlernten Inhalten in unserem Studium. So eine Gruppe zu leiten ist für uns eine ganz neue Erfahrung. Wir lernen von Ihnen, sie von uns und die meisten scheinen nach anfänglicher Schüchternheit langsam aufzutauen und sich produktiv einzubringen.

Wir beide bereiten uns für die Treffen vor, erarbeiten sechs unterschiedliche Themengebiete. Die Idee ist, jedem ein Aufgabengebiet zuzuteilen, sodass nach und nach jeder ein Experte auf seinem Gebiet wird. Die Themen unterteile sich unteranderem in die Technologien PV, Biomasse und Windenergie, aber auch Netzinfrastruktur und Flächenanalysen. Die Koordination der Aufgabenverteilung und die Erklärung unseres Projektes mit den erforderlichen Informationen stellt uns zwar vor ganz neue Herausforderungen, macht uns aber viel Spaß.


Der Campus

Wir besichtigen den neuen, geplanten Campus der gerade außerhalb gebaut wird. Außerhalb? Wir wundern uns ein bisschen. Kommen wirklich alle Studenten auch dort hin, auch die nicht so betuchten? Studieren ist hier eher etwas für die Oberschicht, haben wir das Gefühl.

Enorm, als Beschreibung für das Campus Projekt reicht wohl kaum aus. Verschiedene Banken aus Katar und Saudi-Arabien und anderen islamischen Ländern finanzieren hier einen neunen Campus der superlative. Mit allem was man sich so vorstellen kann. Jede Fakultät bekommt ein eigenes Gebäude mit Auditorium. Es wird eine Ingenieurwesen-, Landwirtschafts-, Business-, Rechtswissenschaften und noch weitere Fakultät geben. Ein großes Tor soll als Administrations Gebäude und auch als imposanter Eingang der Universität dienen. Eine riesige Moschee und sogar eine Kirche sollen zentral in mitten des Campus gebaut werden. Für uns ein komischer Gedanke, Religion und Bildung, doch in diesem Land scheint damit alles verbunden zu sein. Teile sind schon im Bau und dieser soll komplett abgeschlossen werden bis 2021. Wir zweifeln ein bisschen an dem Datum, jedoch sind in anderen Ländern andere Baugeschwindigkeiten möglich. Wir wollen nicht Urteilen über die Konsequenzen des schnell bauens und was auch immer da alles dazugehört. Wir bekommen sehr viel Sicherheitsausrüstung, die wir auch ständig tragen müssen. Sie achten sehr auf unsere Sicherheit und Gesundheit. So wie bei uns, hoffen wir auch bei allen.

Wir sprechen mit der Delegation über einen möglichen Planungs- und Bauort für das Zentrum. Das Land und das dazugehörige Umland gehört der Universität und es werden wohl keine Probleme dahingegen erstehen, dass man keine Fläche für das Projekt findet. Es befinden sich jedoch Cashew-Bäume auf dem Land, die den Bauern als Einkommen dienen. Es muss sich eine Lösung dafür finden. Wir wollen nicht kommen und Menschen ihre Lebensgrundlage nehmen. Platz für neue Bäume sollte ausreichen vorhanden sein in der Zukunft.

Wir wissen nun, unser Zentrum für erneuerbare Energien soll auch auf diesen Campus und soll den neuen Ingenieure mit deutscher, europäischer Hilfe neue Möglichkeiten geben.


Die Meetings und die Kooperation

Unser Professor muss leider in Deutschland bleiben. Er ist nicht reisetauglich und kann nicht fliegen. Er kann sich kaum bewegen und hat Schmerzen beim Sitzen, fliegen also keine Option. Das Projekt und die Zusammenarbeit mit der University oft The Gambia droht zu platzen. Ohne Professor keine Kooperation, ohne Kooperation kein Projekt.

Soll es das jetzt schon gewesen sein?

Ein anderer Professor erklärt sich einverstanden und fliegt spontan für ein paar Tage nach Gambia, um uns zu unterstützen. Gerade noch alles gerettet. Angekommen wird er schnell gebrieft und über die aktuelle Situation aufgeklärt.

Wir brauchen einen Vertreter unserer Universität, um das Memorandum of Understanding zu unterschreiben. Was das genau ist, wollen wir jetzt nicht erklären, aber damit wird eine Kooperation der beiden Universitäten unterzeichnet. So sind beide Universitäten verbunden und unterstützen sich gegenseitig in wissenschaftlichen Projekten wie z.B. in unserem. Glück gehabt und die zeremonielle Unterzeichnung, die in der Zeitung und in mehreren lokalen Fernsehsendern übertragen wird, kann weiterhin vorbereitet werden. Die feierliche Unterschriften des Vice Chancellors der UTG und die des deutschen Professors soll am 15ten Februar begleitet werden von weiteren hohen Repräsentanten.


Für uns folgen ein paar sehr arbeits-intensive Tage. Wir gehen von einem Meeting ins nächste. Die Gesichter sind mal vertraut, mal unbekannt, aber der Ablauf ist immer ähnlich. Der Vice Chancellor der Universität hält öfters einen etwas monotonen Eingangsvortrag, der von den Power-Point Folien abgelesen wird. Nicht sehr spannend gehört aber einfach dazu. Danach gibt er meist das Wort an seine Mitarbeiter mit denen wir ausgelassen diskutieren und planen können. Zwischendurch drückt der Vice Chancellor seinen Klingel-Knopf und sein persönlicher Leibwächter oder Polizist bringt Kaffee oder ein weiterer gerufener Mitarbeiter kommt  hinzu.

Anfangs haben wir das Gefühl, dass wir manchmal ein bisschen an einander vorbeireden und dass es nicht ganz klar ist, was unsere Aufgabe ist und was Aufgabe der Kooperation zwischen den Universitäten ist. Bei all dem Gerede und Phrasen-Gedräsche, in dem die Meetings leider häufig enden, nehmen wir am Ende immer eine neue Erkenntnis aus den Meetings mit und sei sie noch so klein. Trotz alledem sind diese Meetings wichtig um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.

Für den Vice Chancellor ist es besonders wichtig, dass jetzt ein Vertreter unserer Uni da ist und dass er bald die Kooperation unterscheibt. Wir bekommen mit, dass die Unniversity of The Gambia bereits eine ganze Reihe an Kooperationen mit anderen Universitäten aus der ganzen Welt hat. Dies scheint hier für die Reputation der Universität, aber auch der Studenten und Professoren ein wichtiges Aushängeschild zu sein. Auf den Visitenkarten, die wir zugesteckt bekommen, stehen nicht nur sämtliche Titel der Personen, sondern auch die Länder in denen diese erworben wurden. Allgemein sind diese Karten hier in Afrika sehr wichtig. Es macht einen guten Eindruck und man kann somit gleich einen Kontak herstellen. Wir lassen uns auch welche in The Gambia drucken, da wir zum ersten mal in unserem Leben welche brauchen.


Ein Abstecher auf einen Markt

Wir haben kaum Zeit für andere Aktivitäten, jedoch wollen wir unserem Professor ein bisschen die Gegend zeigen und gehen mit ihm auf den Serekunda Market.

Für jeden der ihn nicht kennt, es ist der einheimische Markt auf dem man eigentlich alles erwerben kann. Aber hauptsächlich geht es hier um frische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch und Gemüse.

Hühner werden vor Ort vor deinen Augen geschlachtet oder lebendig mit nach Hause genommen. Der Fisch wird gefangen und ungekühlt in der Sonne feilgeboten. Allgemein wird hier nichts gekühlt oder verpackt. Fisch Eier, Fleisch oder Gemüse gibt es eben direkt in die Hand oder Tasche. Unseren meist zu überschwänglichen, europäischen Ansprüchen wird hier nicht entsprochen. Krasse Erfahrung für uns alle. Diesen Markt wird wohl von uns dreien keiner mehr vergessen.


Tag der Unterzeichnung

Es ist Freitag, wir haben kaum geschlafen. Unser Nachbar ein paar Compounds weiter, hatte wohl eine Party und wir haben deswegen kaum ein Auge zugemacht. Ausgerechnet heute, am Tag der Unterzeichnung des MoUs. Die Veranstaltung beginnt etwas chaotisch. Es müssen zunächst im Ministerium für Bildung Tische verschoben und eine Sitzordnung festgelegt werden. Das Fernsehteam baut sich verspätet auf und die Teilnehmer setzen sich langsam. Wir beide in der ersten Sitzreihe. Mit mehr oder weniger 30 minütiger Verspätung, beginnt die feierliche Zeremonie. Der Reihe nach werden Reden über die Wichtigkeit der Kooperation zwischen den Universitäten und der Bedeutung von erneuerbaren Energien für die Zukunft Gambias gehalten. Es beginnt der Vice Chancellor der UTG, dann der Professor unserer Universität. Es folgt der deutsche Botschafter und der Vertreter der United Nation Industrial Development Organisation (UNIDO). Besonders beeindruckt sind wir von den Ansprachen des Energieministers und des Bildungsministers, die die Beziehung zwischen den Universitäten und deren Bedeutung auf sehr bildhaft Art und Weise unterstreichen.

Etwas merkwürdig ist für uns, dass obwohl um Ruhe gebeten wird, während der Vorträge immer wieder Telefone klingeln, Türen knallen, Fruchtsäfte in Dosen herum gereicht und geraschelt und getuschelt wird. Für uns, die wir es gewohnt sind, dass bei wichtigen Veranstaltungen dieser Art, peinlich genau darauf geachtet wird, dass es absolut keine Störungen gibt, eigenartig. Ist das fehlender Respekt? Wir werden lernen, dass es hier so läuft und dass die Unruhe keine Respektlosigkeit bedeutet, sondern ein Teil des kulturellen Unterschiedes ist. Das alles macht es ja erst richtig spannend in einem internationale Projekt mitzuwirken.

Unter Blitzlichtgewitter werden die Verträge zwischen den Universitäten unterzeichnet. Bevor die Veranstaltung nach 2 Stunden endet, werden noch zahlreiche Hände geschüttelt und Fotos gemacht. Einige Interviews folgen und danach geht jeder seiner Wege. Es geht nun voran und es werden erste Erfolge gefeiert.


Am Abend lädt die Universität und die Regierung, bevor unser Professor zurück nach Deutschland fliegt, nochmal alle zu einem großen Abendessen ein. Es wird groß aufgefahren und wir sind erstmal beeindruckt von der Gästeliste und von der Location. Ein eigener, riesiger Raum mit riesiger Tafel, eigenen Toiletten und alles sehr schick hergerichtet. Wir sind natürlich die ersten vor Ort, deutsche Pünktlichkeit eben. Die anderen Gäste trudeln alle nach und nach ein. Alle schlagen sich – in entspannter Atmosphäre – den Bauch mit leckerem libanesischem Essen voll, dass ohne Unterbrechung in unterschiedlichster Ausführung an den Tisch gereicht wird.

Ein schöner Abend an dem wir viele neue Kontakte knüpfen. Unteranderem lernen wir Mitarbeiter der United Nation Industrial Development Organisation (UNIDO) kennen, die auch Ihre Unterstützung für das Projekt anbieten. Hat sich ja gelohnt und wieder einmal fallen wir müde in unser Bett.


Feinste Organisation und Bürokratie

Die Tage kommen und gehen. Wir arbeiten mittlerweile schon mit diversen Institutionen zusammen – zum einem mit dem Energie Ministerium „Ministry of Petroleum and Energy“ (MOPE) und mit dem Ministerium für Bildung „Ministry of Higher Education, Research, Science and Technology“ (MOHERST), sowie dem staatlichen Energieversorgungsunternehmen „National Water & Electricity Company“ (NAWEC) und dem Ministerium für Wasserressourcen „Ministry of Fisheries and Water Resources“, des Weiteren mit der der deutschen Botschaft und der bereits bekannten United Nation Industrial Development Organisation (UNDIO).

Die Meetings hören nicht auf und es wird ein Wettlauf gegen die Zeit, alle benötigten Informationen und Daten in der kurzen Zeit, die wir hier sind, zu sammeln. Die Treffen mit den verschiedenen Ministerien und Institutionen laufen fast immer gleich ab. Wir stellen uns und unser Projekt vor. Alle sind begeistert und wollen helfen, doch um den Zugang zu XY zu gewährleisten, braucht man ein gewisses Dokument von einer anderen Institution und ein präzises Schreiben, was genau wir wofür benötigt. Also wieder nach Hause, Schreiben aufgesetzt und zur nächsten Institution, die uns nicht kennt und von dem Vorhaben nichts weiß.

Schnell mal in der Mittagshitze einen starken Kaffee in einem kleinen Café. Es gefällt uns, müssen aber weiter und bezahlen und machen uns wieder auf den Weg. Die Farben bleiben uns jedoch in Erinnerung

Das Spiel geht von vorne los, wir beginnen uns wieder vorzustellen und eilen für z.B. eine wichtige Unterschrift auf dem Dokument zu einer neuen Person. Diese Person ist jedoch nicht gewillt oder befugt solche Dokumente zu unterschreiben und verweist uns zu einem anderen Vertreter. Uns werden langsam die Vorteile des von allen so kritisierten Systems in Deutschland bewusst. Struktur und Ordnung, auch wenn eine gewisse Bürokratie dazugehören muss, kann zu einem Entwicklungsprozess in jeglichem Sinne förderlich sein.


Nebenbei Mal erwähnenswert

Abgesehen von den Meetings und unserer sonstigen Arbeit, haben wir in der Freizeit auch ein paar Sachen erlebt, die wir nicht vorenthalten wollen. Der schon genannte Serekunda Market der dem Market in Banjul, der Hauptstadt sehr ähnelt wird natürlich erwähnt. Der Banjul Market scheint für uns geordneter und ist überdacht – mit Asbestplatten und Abdeckplanen. Grundlegend werden hier die selben Produkte verkauft, jedoch ist der Unterschied, dass bei der überdachten Variante auch hochwertigere Produkte angeboten werden. Diese Objekte wie z.B. Holzschnitzereien und anderes Kunsthandwerk sind dann ja vor Sand oder anderem Dreck gefeit. Wir nehmen uns beide unterschiedlichste Gegenstände als Erinnerung an Afrika mit. Einmal geflochtene kleine Körbe und eine afrikanische Holzmaske zum Aufhängen.


ECOWER  –  ECOWAS

Wir lernen eine Frau kennen. Sie ist aus Ghana und studiert hier Jura um in ihrem Heimatland ein weiteres Zeugnis vorweisen zu können. Sie erzählt uns viel über ihr Land und die Bräuche die man dort pflegt. Für uns sehr spannend, da wir ja bisher nur The Gambia gesehen haben. Sind die anderen Länder in der ECOWAS ähnlich? Ist es vielleicht sogar ein ganz anderes Lebens als in The Gambia? Uns wird erzähl, dass ja und wir glauben es. Ihr denkt euch sicher jetzt: ECOWER? Naja die Vereinigung der westafrikanischen Staaten zu der „Economic Community of West African States“ (ECOWAS) Verbindung. Unsere neue Freundin ist Christin, was hier sehr selten anzutreffen ist. Sie verhält sich anders, redet anders und sieht auch leicht anders aus. Sie selbst kann hier bestimmte Menschen zu bestimmten Ländern und Stämmen zuordnen. Uns fällt das schwer. Viele sehen ähnlich aus und oder verhalten sich ähnlich. Die meisten Einheimischen halten uns jedoch auch für Brüder, obwohl einer blondes Haar und grüne Augen hat und der andere braune Augen und braune Haare hat.

Wirklich keiner würde uns in Europa für Brüder oder Verwandte halten. Naja für jede Kultur scheint das Aussehen der anderen Kulturen und ihre Diversitäten fremd. Jedenfalls diese Freundin hat es tatsächlich geschafft, uns an einem Sonntag morgen zu überreden in eine Kirche zu gehen. Wann waren wir das letzte Mal in der Kirche, oder bei einem Gottesdienst? Gefühlte Jahrhunderte ist das her, aber hier ist es anders. Eine afrikanische Kirche voller schwarzer Menschen, ist nicht stumm und ruhig. Sie tanzen, singen und beten natürlich unter anderem auch. Der Gospel- und Soulgesang beeindruckt uns. Die ganze Atmosphäre ist fröhlich und die drei Stunden vergehen schnell. Jedoch waren die Töne über die Lautsprecher total übersteuert und der Tinnitus danach gehört wohl zum Erlebnis. Unsere Empfehlung: Einmal in eine afrikanische Kirche gehen und die Menschen singen hören. Naja wir haben ihr Herz nun gewonnen und sie bekocht uns jetzt auch häufig. Das ist toll, da wir ihr beim Kochen helfen und natürlich mal richtiges afrikanisches Essen genießen können. Sie begleitet uns auch zu dem Gemüse Verkäufer ihres Vertrauens und wir kaufen. Gemüse und Früchte, die wir noch nie gesehen haben. An den Abenden danach verkochen wir sie zusammen und kommen auf den Geschmack.


Fußbus oder doch Taxi

Ein ganz anderes Thema. Die Fortbewegung in Gambia Banjul-Area und Umgebung erfolgt meist über Taxi, Bus oder natürlich über den klassischen Fußbus. Allgemein sind die Autos vor allem die Taxis in einem, wie wir finden, sehr marodem Zustand. Es sind eigentlich immer 190ger Mercedes in bemalten Gelb-Grün .Wir denken, es muss wohl der Wagen sein mit vielen vorrätigen Ersatzteilen und der am längsten in den härtesten Bedingungen fährt. Ach ja sie hängen kleine Besen an die hintere Stoßstange. Wie sich später rausstellt sind es keine Besen, sondern Kuhschwänze, als eine Art Zierde. Zumeist werden hier Autos bemalt und mit extra Spiegel, Finnen oder Teppiche bestückt. Zum bewegen der Fenster liegt eine Kurbel für alle in der Mittelkonsole bereit, oder man drückt es per Hand nach unten. Hoch gehts dann erst wieder beim nächsten Stop. Ganz witzig eigentlich. Naja so ein Taxi kostet umgerechnet eigentlich meist so 1-5 Euro. Wenn man neu in The Gambia ist zahlt man wohl immer mehr für jegliche Strecken. Geht das nicht noch günstiger? Nach ein paar Tagen haben wir verstanden, wie man auch für 20 – 50 Cent von A nach B kommt.  Man shared ein Taxi mit Leuten die auch in dieselbe Richtung müssen. Also man bequatscht den Taxifahrer so lange, bis er verstanden hat, dass wir schon länger hier sind und wissen wie es läuft und wir das Taxi doch bitte teilen wollen. Meistens dauert das einen Moment, da sie versuchen doch ein wenig mehr rauszuholen, ohne dass sie es böse meinen. Immer mal wieder Leute aufgegabelt, reinquetschen in das hoffnungslos ratternde, quietschende Taxi und ab dafür. Um einen Schnack kommt man auch nie drum rum, weder mit dem Fahrer, die eigentlich immer happy sind, oder mit einem Gast, der einfach an dir und deiner Herkunft interessiert ist. Achso ja, Teerstraßen sind hier nichts selbstverständliches und die Autos und Insassen müssen manchmal echt was Aushalten.


Krokodile im Slum

Ein anderes Mal biegen wir an einem Strand falsch ab und befinden uns plötzlich in einem Armenviertel. Oh man was soll man sagen, die Menschen sind hier wirklich arm und Kinder umringen uns und betteln um Geld für einen Fußball und Essen. Wir unterhalten uns ein bisschen mit den Menschen, jedoch auch nicht lange. Diese Menschen sind wirklich auf Hilfe angewiesen. Überall laufen Rinnsale von undefinierbaren Dingen über die Erde. Es riecht nicht unbedingt einladend. Wir wollen weg, da es hier wirklich nicht schön und die Eindrücke überfordern uns.

Ein Heiliger Tümpel „Crocodile-Pool“ ist in der Nähe und wir laufen direkt ohne Umwege dort hin. Die wenigen Touristen die diesen Tümpel besuchen wollen, fahren mit „sicheren“ Autos hier her. Sie wollen nicht mit der wirklichen Armut in Kontakt kommen oder sich mit den Bewohnern beschäftigen. Der Tümpel gefällt uns sehr gut und Daniel ist sogar fast auf ein Krokodil getreten, da diese heilig sind und einfach frei herumwandern. Wir haben uns sogar getraut die Tiere zu streicheln, auch wenn es einige Überwindung gekostet hat. Auch ein beeindruckender 500 jährer Baum steht an diesem Tümpel. Scheint sowas wie ein Mammutbaum zu sein, aber wir sind keine Experten.


Das Toubab Paradies

Wir haben mittlerweile gambische Freunde, die mit uns gerne am Wochenende ausgehen wollen. Wir wollen was trinken und vielleicht auch ein bisschen das Tanzbein schwingen. Sie nehmen uns mit nach Senegambia, ein Stadtteil im Hotel- und Urlauberdistrikt. Es ist sehr nah am Strand und die Hotels reihen sich hier regelrecht auf. Das Ziel, jeder will den Touristen etwas bieten. Strand, Bars, Casinos, Events und Restaurants.

Es hat sich zu einem Kiez entwickelt, ähnlich der Reeperbahn in Hamburg oder dem Boxi-Kiez in Berlin. Eine Straße mit Polizeikontrolle dient als Einfahrt und man befindet sich im Toubab Paradies. Wir nennen es mittlerweile so. Im Guten wie im Schlechten Sinne. Toubab nennt man uns hier auch. Es heißt Weißer und ist nicht böse gemeint, also ohne rassistische Andeutung. Viele sprechen uns der Einfachheit halber damit an oder unterhalten sich so über uns. Wir haben den Begriff adaptiert und nutzen ihn jetzt auch für Weiße. In unserem Land sagt man ja quasi auch Schwarzer zu schwarzen oder dunkelhäutigen Menschen.

Also warum Toubab Paradies. Klar die Restaurants bieten Essen in höherer Qualität, zu einem maximal überzogenen Preis, an und es gibt kaltes Bier, Schnaps und natürlich bunte Cocktails. Für einheimische kaum finanzierbarer Luxus. Trotzdem tummeln sich hier viele junge Einheimische und feiern hier. Sie trinken am Abend, falls es der Glaube erlaubt, ein Bier und tanzen die ganze Nacht mit den Touristen durch. Wir haben Spaß und genießen die Livemusik und die folgenden Stunden dort. Das ist die gute Seite die uns gefallen hat.

Wo es eine gute Seite gibt, gibt es jedoch auch immer eine schlechte. Was kann an einem solchen Ort schlecht sein? Betrunkene, Drogen oder Gewalt? Nein hier alles kein Thema, vielleicht vorhanden, aber wirklich kein Problem. Uns hat etwas anderes echt aufgestoßen. Ja wir sprechen es mal einfach so aus. Sextourismus. Klingt komisch und alle denke sofort wieder an weiße Männer die in Ihrem Land keinen Erfolg bei Frauen haben. Ja genau diese meinen wir auch, jedoch sind es hier sehr häufig Frauen. Sextourismus für Frauen klingt für uns erstmals sehr befremdlich und unbekannt, aber hier sieht man es häufig. Vor allem in Senegambia in den Bars, Clubs und speziell in den Restaurants. Alte dicke Frauen, sowie alte schmierige Männer, gerne auch mal kurz vor 80, suchen sich junge Menschen um sie sexuell auszubeuten. Wir sitzen in einer Kneipe und haben oft zugesehen, wie sich sowas abspielt. Kann man sich vorstellen, dass Menschen Fotos von Ihren „Spielzeugen“ machen und diese Fotos dann an Freunde im Heimatland via WhatsApp schicken. Uns wird schlecht und wir gehen. Ja wie gesagt es ist schön dort Zeit zu verbringen, aber man wird auch mit der Realität der Armut konfrontiert. Trotzdem ist Senegambia einen Besuch wert.


Risko für ein paar Fotos

Nebenbei haben wir uns mal auf das höchste Gebäude mit dem einzigen Fahrstuhl in The Gambia geschlichen.

Es war das Ministerium für Petroleum und Energie und jeder kann sich vorstellen, dass es nicht einfach ist dort ungesehen aufs Dach zu kommen. Naja wir haben eben nach einem Meeting die Falsche Tür im falschen Stockwerk genommen. Kann ja jedem mal passieren. Wir hatten nicht viel Zeit, konnten aber ein paar Bilder von der Aussicht machen. Ich denke es gibt keine bis wenige dieser Bilder in Gambia die einen solchen Weitblick bieten.


Ein Besuch bei Fandema von MBolo

Unsere Zeit hier in The Gambia neigt sich dem Ende. Die letzte Woche ist schon weit fortgeschritten und wir versuchen so viele Leute zu treffen wie es geht und so viele Eindrücke zu sammeln wie möglich.

Die Gambische Vertreterin der UNIDO lädt uns ein sie zu einem Projekt zu begleiten. Uns wurde bereits viel von dem Projekt Fandema in Batukungku erzählt, also freuen wir uns, nun die Chance zu bekommen uns dies einmal selber anzuschauen. Sowas haben wir ja nie gesehen.

Das Projekt wurde 2009 ins Leben gerufen und arbeitet seitdem mit Frauen jeglichen Alters, die nie zur Schule gegangen sind oder von ihren Familien verstoßen wurden, um jetzt ihre Lebensqualität zu erhöhen. Die Frauen und Mädchen lernen nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern können anschließend auch eine Spezialisation wählen, in der sie zwei Jahre ausgebildet werden. Das Projekt bildet in den Bereichen Schneidern, Kochen und Herstellung von Kunsthandwerk, aber auch im Bereich der Metallverarbeitung und der Installation von Photovoltaik Modulen aus. Finden wir richtig cool und die Frauen finden einen Einstieg ins Berufsleben. Manch eine findet eine Anstellung in einer Firma eine andere macht sich selbstständig und verkauft ihre Produkte in einem Geschäft oder auf dem Markt.

Wir sind von dem Projekt sehr angetan und beeindruckt was in 10 Jahren dort alles aufgebaut wurde. Echt ein klasse Projekt, dass effektiv hier etwas bewegt. Mit Hilfe von Experten wurde alles von den Frauen im Projekt getragen und geschaffen. Anders als in den Institutionen, die wir sonst bisher hier kennen gelernt haben, ist das Projekt sehr strukturiert und gut organisiert. Klingt komisch aber ohne Organisation, keine Nachhaltigkeit. Besonders sind wir beeindruckt davon, wie die Frauen mit Flex und Schweißgerät umgehen können. Die Aufständerung für die Solaranlage, alles selber gebaut. Anschluss der PV-Module, komplette eigen Arbeit.

Wie selbstverständlich kommt es uns in den Sinn: Diese Frauen müssen wir in das Forschungszentrum einbeziehen. Wenn sie mit ihrem praktischen Know-How den Studenten ihr Wissen weitervermitteln können, ist das nicht nur toll für die Studenten, sondern kann besonders auch das Selbstbewusstsein der Frauen stärken. Das würde den Frauen richtig gut tun. Von der Leiterin Sylvia erfahren wir nämlich, dass trotz allem das Projekt noch wie eine Auffangstation für verlorene Seelen gesehen wird und die fachliche Kompetenz häufig in den Hintergrund gerät.

Die Idee steht. Wir tauschen Kontakt-Daten aus und verabschieden uns.


Das mysteriöse weiße Pferd

Khadijah von der UNIDO musste leider frühzeitig weg, deswegen stehen wir nun da – mitten im nirgendwo. Es ist schön, aber sehr heiß. Bereits auf dem Hinweg haben wir an der Küste zwei Windräder stehen sehen, die aus der kargen Landschaft in den Himmel ragen. Es ranken sich viele Legenden um den Erbbauer dieser Windräder. Peter W. (hier zulande White Horse genannt) ist ein Deutscher, der seit vielen Jahren hier lebt, und der mit seinen Ambitionen die Windenergie nach Gambia zu bringen auf große Probleme mit der ehemaligen Regierung gestoßen ist. Seit 4 Wochen versuchen wir herauszufinden, wo der Mann lebt, und wie er zu erreichen ist. Jeder kennt ihn, aber keiner hat einen Kontakt zu ihm. Zufällig befindet sich das Projekt Fandema fußläufig von Peters Haus. Die Windräder zeigen uns jetzt den Weg. Gespannt darauf, wer dieser Mann ist, von dem wir schon soviel gehört haben, machen wir uns auf den Weg. Wir fragen uns durch, bis wir vor einem Großen Tor direkt an der Küste stehen. Wir klopfen. Peter ist leider nicht da, aber nach 4 Wochen bekommen wir nun endlich seine Kontakdaten. Da uns die Zeit davonrennt und nur noch 3 Tage bis zum Abflug bleiben, rufen wir umgehend an und haben Glück. Ganz unkompliziert einigen wir uns auf ein Treffen eine Stunde später. Wir fahren also im öffentlichen Bus – ein Mercedes-Bus oder das was davon noch übrig ist – zu unserem Treffpunkt und zahlen für uns beide 25 Dalasi (ca. 0,50€). Die Taxis nehmen wir jetzt nicht mehr, die sind uns mit 3€ pro Fahrt auf Dauer zu teuer.

Wir treffen Peter und hören nun von all den Legenden aus seinem eigenen Mund. Der ehemalige Diktator Jammeh hat ihm die Windräder enteignet und stillgelegt. Bis heute haben die ehemals in Europa laufenden Maschinen keine einzige kWh in The Gambia erzeugt. Kaum zu glauben. Damit nicht genug erzählt uns Peter. Jammeh habe ihn zusätzlich zwei Wochen ins Gefängnis gesteckt, mit der Begründung, er solle Präsidentiellen Grund betreten und gestört haben (seine eigenen Windräder).

Wir können es nicht glauben und hören gespannt den Erzählungen zu. Es ist sehr hilfreich für uns jemanden zu treffen, der in Gambia schon so viel Erfahrungen gemacht hat und im Bereich erneuerbare Energien hier schon einiges durchleben musste. Trotz aller Horrorgeschichten lassen wir uns aber die Motivation nicht nehmen. Wieder tauschen wir Kontakte aus und fahren zufrieden nach Hause. Nun haben wir auch den letzten To Do-Punkt abgehakt, der hier in Gambia zu erledigen war, und das Mysterium des White Horses gelüftet.


Der  Abschied

Die letzten Tage verstreichen sehr schnell. Wir versuchen noch auf den letzten Drücker ein wenig die Sonne und den Strand zu genießen, da wir bisher bei all der Arbeit wenig dazu gekommen sind. So treffen wir am Tag vorm Abflug in einem Café am Strand den Chef der Cabin-Crew, der unseren Flug nach Hause begleiten wird. Er verspricht uns für den nächsten Tag einen Whiskey, damit wir einen ruhigen Nachtflug nach Europa haben.

Wir merken, der Abschied liegt in der Luft.

Am nächsten Tag ist Endspurt. Die Koffer werden gepackt und alles wird für die Rückreise vorbereitet. Wir fahren mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Natürlich freuen wir uns sehr bald wieder in der vertrauten Heimat zu sein, gleichzeitig hat es uns das Land Gambia mit seinen Leuten und der Laid-Back Mentalität auch sehr angetan. Das Wetter, die Sonne und der Stand werden uns fehlen, wir sehnen uns aber auch nach festen Bürgersteigen, auf denen man nicht bis zu den Knien im Sand versinkt und auf eine Pizza.


Bevor wir nach Hause fahren sitzen wir zusammen auf unserer Terrasse und ziehen eine Bilanz von allem was in dem letzten Monat passiert ist. Besonders in den letzten Tagen haben wir nach langem Kampf noch viel von dem erreicht, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben Daten bekommen, die wir für unsere Masterarbeit benutzen können. Das Wichtigste, was wir aus Gambia mitnehmen sind allerdings die Erfahrungen. Wir haben nicht nur ein neues Land und eine Kultur kennen gelernt, sondern haben auch aus beruflicher Sicht Erfahrungen gemacht, die für uns besonders sind. Wir konnten wichtigen Meetings mit sämtlichem Minister beiwohnen, hatten die Chance Verantwortung für eine Arbeitsgruppe zu übernehmen und haben vor allem ein großes Netzwerk an Kontakten aufgebaut, dass auch im weiteren Verlauf des Projektes mit Sicherheit von großer Bedeutung für uns sein wird.

Wir sind nach Gambia gefahren mit einer ganz groben Idee zu einem Projekt und ohne zu wissen was uns erwartet. Jetzt fahren wir nach Hause mit dem Gefühl Gambia-Profis zu sein und mit einer ganz genauen Vorstellung vom Projekt mit Standort, Konzept, Umfang und involvierten Akteuren. Die Idee hat sich in dem Monat wirklich zu einem runden Konzept entwickelt.


Der Monat verging schneller als wir gedacht haben. Das letzte Packen unserer Klamotten und der sonstigen Sachen, die wir mitgenommen haben fällt uns schwer. Es ist nicht viel Gepäck, jedoch wissen wir, dass wir so schnell nicht mehr hier sein können. Jeder Augenblick wird hier genossen und jeder Sonnenstrahl wird gespeichert. Wir checken das Wetter und die Temperatur zuhause. Es wird nun wieder richtig kalt und nass, wenn wir wieder zurückkehren.

Es kommt auch keine Freude auf über den bevorstehenden 17 stündigen Flug nach Berlin. Der Flug geht ca. um Mitternacht und ein Freund will uns mit seinem Auto zum Flughafen fahren. Wir schmeißen abends unmotiviert unsere Koffer in seinen Wagen und checken ein letztes mal ob wir nichts vergessen. Den aus Deutschland mitgebrachten Fußball verschenken wir noch an die Nachbarskinder, mit denen wir abends ab und zu eine kleine Runde gespielt haben. Sie freuen sich riesig.


Kommen wir nach Hause?

Der Weg zum Flughafen dauert leider ewig, wir stehen im Stau. Wir bekommen ein bisschen Bammel vor der Ausreisekontrolle, da wir ja bei der Einreise ein paar Probleme hatten. Wir haben uns natürlich frühzeitig darum gekümmert und haben mit dem zuständigen Ministerium gesprochen. Ein Beamter mit vielen Abzeichen, es macht den Anschein als wäre er im Immigrationsbüro der Chef, hat uns jedoch nur seine Telefonnummer auf einen Zettel aufgeschrieben. So ungefähr, falls es Probleme geben wird ruft diese Nummer an. Wir hoffen einfach nun, dass es jetzt gleich keine Komplikationen am Flughafen geben wird.

Die Verabschiedung am Auto fällt kurz aus, wir müssen dringen in den Flughafen, bevor sie die Türen schließen. Gepäck abgegeben und zur Passkontrolle. Jannik der bei der Einreise Probleme hatte kommt durch. Puhh, bei dem Pass dachten wir es wird schwierig, aber nein. So jetzt muss nur Daniel durchkommen, aber wie es kommen musste, sammeln sich Beamte um ihn und wollen ihn nicht ausreisen lassen. War ja klar, dass sowas nun passieren muss. Die aufgeschriebene Nummer interessiert die Beamten nicht wirklich, da das Büro um Mitternacht ja nicht besetzt ist und keiner an ein Telefon gehen kann. Müssen wir jetzt im Land bleiben und können nicht mitfliegen?

Nach einer Diskussion über diesen Zettel und dem wiederholen des Namens und Funktion des Inhabers der Telefonnummer, lassen sie uns durch. Keiner will Probleme haben mit dem hohen Beamten und wir können zum Flieger.

Endlich geschafft. Wir sitzen müde im Flieger und reisen jetzt Richtung Heimat. Wir überlegen und erinnern uns, wie alles angefangen hat. Alles begann als die Menschen uns bei unserer Ankunft im Flieger in Ihrem Land willkommen geheißen haben.


Ja, das war unsere Reise und die Moral von der Geschicht, überziehe dein Visum in Afrika nicht.


Bis dahin erstmal mit Besten Grüßen

Jannik und Daniel