Meine Erfahrungen in The Gambia

Prolog
Unendliche Möglichkeiten! – Nach 10 Semestern eines oftmals anstrengenden, doch gleichzeitig erfahrungsreichen und lohnenswerten Studiums der Erneuerbaren Energien (Bachelor an der HSWT in Freising, Master an der HTW Berlin), muss eine Entscheidung getroffen werden: In welcher Art und Weise werde ich, Rebekka, 26 Jahre alt, mein Studienleben beenden? Die Masterthesis – das letzte Projekt, bevor eine „vollständige Eingliederung in die arbeitende Gesellschaft“ von Statten geht, kann schließlich als Türöffner in die freie Wirtschaft oder die Forschung und Entwicklung agieren: Im besten Fall sollte man mit ihr bestehendes Wissen und eigene Interessen vertiefen, sowie eine Basis für die Zukunft schaffen können. 
Da ich generell neue Herausforderungen nicht scheue, beendete ich mit Abschluss der letzten Vorlesungskurse meine Werkstudentenstelle und machte mich auf die Suche nach einer spannenden, abwechslungsreichen, neuen Aufgabe. Durch einen wertgeschätzten Professor unseres Studiengangs, wurde ich auf das Projekt, welches Daniel und Jannik in The Gambia durchführten, aufmerksam. Nach einem Besuch an der Kuckucksmühle hatte ich das Vergnügen, den Verein Energie Dezent e.V. näher kennen lernen zu dürfen und konnte mich am Ende meines dortigen Aufenthalts über eine zukünftige Zusammenarbeit erfreuen.

Dank Energie Dezent e.V., der Firma ECC und den Professoren, die mir die Umsetzung des anstehenden Projekts anvertrauten, wurde es mir ermöglicht, eine 3 ½ wöchige Reise nach The Gambia zu unternehmen, um dort, mithilfe netter KollegInnen und freundlicher Unterstützung weiterer Akteure, eine Studie über ein innovatives Energiekonzept des Banjul International Airports in The Gambia zu erstellen. Im Rahmen dieses Blogs möchte ich interessierte Leser und Leserinnen von meinen persönlichen Erfahrungen sowie dem Fortschritt des Projektes berichten.

Das Projekt
Da die Konkretisierung des Themas der Masterarbeit und des Projektinhaltes im Allgemeinen relativ kurzfristig vor Beginn der Reise stattfand, konnte ich relativ wenige Vorbereitungen bezüglich Recherche treffen. Glücklicherweise befand sich einige Kollegen, darunter Jannik, welcher nach Beendigung seiner Masterarbeit weiterhin die Umsetzung seines Projekts in The Gambia voranbringt, bereits vor Ort und konnten erste Schritte zur Umsetzung der anstehenden Arbeit einleiten.

Mit fortschreitender Zeit hat sich folgende Zielstellung herauskristallisiert: Ziel des Projektes ist es, ein Konzept zur ganzjährigen elektrischen Versorgung des Flughafens Banjul International Airport inklusive Energieeffizienzmaßnahmen unter Gewährleistung der Versorgungssicherheit zu erstellen, welches einen möglichst hohen Anteil erneuerbarer Energien aufweist.

Die Anreise
Durch einen früheren Aufenthalt in Kenia, gelegen an der Ostküste Afrikas, hatte ich bereits Erfahrungen über das Leben in einer tropischen Klimazone gesammelt, wodurch mir deutlich leichter fiel, vor Anreise über Packlisten, mitzunehmende Medikamente,einzuholende Impfungen oder vor einem oftmals propagierten „Kulturschock“ nicht in Panik zu geraten. Durch eine Vorverlegung des Abflugtermins um fünf Tage wurde mir trotz allem nicht langweilig und ein straffer Zeitplan, um letzte Erledigungen zu machen, musste eingehalten werden.

Um 04:45 Uhr verließ ich also mit Reiserucksack und Messgerät aufbepackt (zur Aufnahme notwendiger Daten) meine Wohnung in Berlin. Nach langer Bahnfahrt quer durch das frühherbstliche Deutschland nach Frankfurt am Main, hob der Flieger am dortigen Flughafen mit einer dreistündigen Verspätung dann endlich ab. Mit gemischten Gefühlen (Vorfreude & gleichzeitigem Respekt vor den anstehenden Aufgaben) erwartete ich nach 6 -stündigem Flug die Ankunft am Banjul International Airport – mein Wirkungsfeld und Teilzeit-Arbeitsplatz für die anstehenden 3 ½ Wochen. Nach Verlassen der kühlen Flugzeugkabine und in Gedanken versunken, wurde ich von der enormen Hitze in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit – diese Temperaturen mitten in der Nacht! – regelrecht in die Realität zurückkatapultiert. Ich bin also wirklich angekommen, weit entfernt der Heimat, auf einem anderen Flecken der Erde, in The Gambia.

Die ersten Tage

Untergebracht bin ich im Guesthouse, welches mein Chef betreibt, fußläufig zum Bürogebäude, in welchem wir von Montag bis Freitag unseren Tag verbringen. Dadurch, dass die Tourismus-Saison erst in ein paar Wochen beginnt, genieße ich die in meiner Wohnung herrschende Ruhe, das Vogelgezwitscher und erfreue mich tagtäglich an dem im Komplex befindlichen Garten.
Würden Sie sich an diesem Blick aus meiner Glastür sattsehen können?

Um einen Eindruck meiner Umgebung zu erhalten, streife ich durch die Gegend. Dadurch, dass ich noch keinen Internetzugang auf meinem Handy hab, kein Gefühl für Sicherheit sowie keinerlei Orientierung, halte ich meine Ausflüge kurz. Wohl anscheinend nicht zu kurz, da ich mir bei meinem ersten Spaziergang direkt einen Sonnenbrand eingeholt habe. Meine Nachbarn grüßen mich alle recht freundlich, das erste Bild meiner Region scheint sehr positiv.

Nach ein paar Tagen bin ich mir sozusagen „meiner Sicherheit sicher“ – The Gambia wird nicht ohne Grund als The smiling coast of West Africa bezeichnet. Die Kriminalitätsrate ist gering, auch zwischen Anhängern unterschiedlicher Religionen scheint es Konflikte, wie in anderen Teilen der Welt oftmals vorhanden, nicht zu geben: In Gambia leben Muslime und Christen in Frieden zusammen.

Meine Nachbarn Latif, Abdullah, Ibrahim & Bekannte beim gemeinsamen Tee-Trinken (eingeholte Erlaubnis zur Publikation)

Nach täglichem Grüßen, folge ich der Einladung meiner Nachbarn und setze mich nach getaner Arbeit zum gemeinsamen, traditionellen, abendlichen Grüntee-Trinken an die Straße. Da ich nur bedingt Zugang zum Internet habe, bin ich froh, neben meinen Büchern, abends sozialen Austausch zu haben. Es wird über ehemalige Auslandsaufenthalte gesprochen, unterschiedliche Lebensweisen diskutiert und viel herumgealbert, ofmals auch in Wolof (eine der vielen Sprachen, die in The Gambia gesprochen wird), dann schau ich zwar blöd aus der Wäsche, aber das ist schon okay. Da zu Anbruch der Dunkelheit gebetet wird, bin kurz nach Sonnenuntergang – spätestens gegen 20:00 Uhr, zu Hause.
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Der Flughafen Banjul International Airport und erste Projekterfolge

Das neue Terminalgebäude des BIA

Nach einer Woche des Kennenlernens verschiedenster Projektpartner und Akteure der Politik und Verwaltung, durfte ich dem Flughafen endlich einen Besuch abstatten. Sobald der Security-Check überstanden war, hatte ich Einblick in das „Power House“, der zentralen Einrichtung, in welcher sowohl die Hauptleitung der Energieversorgung des gesamten Flughafenkomplexes vom Energieversorger eingeht als auch die Verteilung der Teilstränge in die verschiedenen Gebäude stattfindet und die Notstromaggregate in Bereitschaft stehen. Ziemlich spannend und aufregend, schließlich wird der Strom zum Transformator noch auf Mittelspannung geliefert! Mit Bedacht folge ich dem Ingenieur des Flughafens durch die Halle und bemühe mich, nichts zu berühren (v. A. keine Knöpfe oder Schalter!). Letztlich möchte ich nicht für ein versehentliches Lahmlegen eines Flughafens zu Berühmtheit gelangen. Spaß beiseite, das ist natürlich relativ unwahrscheinlich.

Bei erster Inspektion der Teilstränge erhielt ich dann den ersten „Dämpfer“ – das Messgerät, mit welchem ich die abgehenden Energieflüsse, vorliegende Spannung und Leistung aufnehmen wollte, ist für die vorliegenden, hohen Ströme nicht konzipiert worden und kann entsprechend nicht eingesetzt werden.  Wie gelange ich nun an meine Daten? Schnell mussten Alternativen gefunden werden!
Glücklicherweise wurden zwei Messgeräte am Hauptschaltschrank installiert, welche die vom Flughafen verbrauchte Energie und Momentanleistung in Echtzeit anzeigen. Unglücklicherweise zeigen dagegen beide Messgerät-Displays verschiedene Daten an, sodass zum genannten Zeitpunkt keine Aussage über die Richtigkeit der Informationen getroffen werden konnte. Je dichter und konsistenter die Daten vorliegen, desto einfacher kann natürlich eine Auswertung dieser sowie die Erstellung des Energiekonzepts erfolgen: Gerade eine digitale Abnahme der Daten würde optimale Voraussetzung für genaue und schlüssige Ergebnisse liefern. Unter Erwerb von Zusatzmodulen, welche an das Messdisplay angebracht werden hätten können, wäre dies möglich gewesen – die nötigen Module waren in The Gambia nur leider nicht zu kaufen.

Gemeinsames Mittagessen mit den Angestellten des Flughafens

Als einzige Möglichkeit, an aktuelle Daten zu kommen, blieb also eine manuelle Aufnahme. Dann existiert jedoch noch immer das Problem, zu überprüfen, ob die angezeigten Werte auf beiden Displays korrekte Sachverhalte wiedergeben. Etwas frustriert nahm ich also analog auf, das bedeutet: Alle zwei Minuten ein Foto, bestenfalls von beiden Bildschirmen machen, um deren Werte im Anschluss abzutippen und zu digitalisieren. Da stand ich nun, mehrere Tage am Stück, vor diesen Displays in der Hitze. Einziger Trost waren die vielen Mitarbeiter des Flughafens, die mir ab und zu Gesellschaft leisteten und mir den Tag durch unterhaltsame Gespräche versüßten.

Erschwerte Bedingungen
Neben der aufwändigen Datenaufnahme kommt zur Energiekonzepterstellung erschwerend hinzu, dass sich der Flughafen seit 2015 im Umbau befinde. Sobald der Umbau des neuen Terminals im Jahr 2020 fertig gestellt ist, wird sich der Energieverbrauch des Flughafens natürlich stark verändern. Soll ein Konzept zur Deckung des Gesamtbedarfs an Elektrizität erfolgen, müssen die zusätzlichen Verbräuche abgeschätzt und zusätzlich eingeplant werden. Eine Konzepterstellung mit klaren, eindeutigen Energieverbräuchen wäre ja schließlich zu langweilig..  

Launch of REFELA
Neben der Zeit, die ich am Flughafengelände verbracht habe, gab es viele weitere Aktivitäten, über die berichtet werden kann: Wegen Teilnahme eines Meetings mit meinen Kollegen, wurde ich zu einer Veranstaltung, unterstützt von UNDP (United Nations Development Programme), zur Einführung von REFELA; einem Netzwerk für Frauen in der Politik in Afrika (The Network of Locally Elected Women in Africa) zur Förderung von Gleichberechtigung und der Einhaltung der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen eingeladen. Ich fühle mich geehrt, an der Veranstaltung teilnehmen zu dürfen und mache mich alleine auf den Weg in die Hauptstadt Banjul. Natürlich bin ich aus Höflichkeit überpünktlich. Mit Spannung erwartete ich das Eintreffen der Bürgermeisterin von Banjul, Mrs. Rohey Lowe sowie interessante Vorträge. Leider verzögerte sich aus mir unbekannten Gründen der Veranstaltungsstart um 2 ½ Stunden.

Ankunft der Bürgermeisterin unter Securityschutz

Unter Security-Schutz, musikalischer Untermalung durch eine Militärkapelle sowie Dudelsack-Spielern wurde die Bürgermeisterin schließlich in die Halle geführt. Die Sicherheits-vorkehrungen waren dabei durchaus berechtigt, da Frau Lowe von den über 300 anwesenden Frauen wie ein Star gefeiert wurde.  Auch wenn einige der Reden in Wolof oder Mandinka, zwei der am meist gesprochenen lokalen Sprachen in The Gambia – und für mich unverständlich, gehalten wurde, war es trotzdem eine interessante Erfahrung, Teil der Veranstaltung gewesen zu sein. Schon das Erlebnis, als einzige Weise die „Minderheit“ abzubilden und als Gegenstand einiger Gespräche (Was macht wohl die Weiße („Toubab“) hier?) zu sein, war ein Novum.

Zeiten der Entspannung
Nach ereignisreichen Tagen sind natürlich auch Momente des Innehaltens und Erholens notwendig. Da sich die Küste in ca. 30 Minuten Entfernung von meiner Unterkunft befindet, unternahm ich dorthin ab und zu einen Fußmarsch. Der wunderschöne Strand, das beruhigende Geräusch der Wellen und der Abstecher ins Meer ließen die Anreise dabei schnell in Vergessenheit geraten.


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